Zum Hauptinhalt springen
Zum Hauptinhalt springen
clarahealth
KIDokumentationPsychotherapieDSGVODatenschutzQualitaetssicherung

DSGVO-Leitfaden für KI-Dokumentation in der Psychotherapie

DSGVO-Leitfaden für KI-Dokumentation in der Psychotherapie: Werkzeugauswahl, Qualitätssicherung, Einwilligung und Wirtschaftlichkeit praxisnah erklärt.

CR
Clara Health Redaktion
Fachredaktion für digitale Therapie
10. Februar 2026
13 Min. Lesezeit
Teilen
DSGVO-Leitfaden für KI-Dokumentation in der Psychotherapie

KI-Dokumentation in der Psychotherapie wird rasant wichtiger, und das hat gute Gründe. In einer Studie am Universitätsklinikum Jena schätzten Ärzt:innen in Deutschland, dass sie im Median 60 Prozent ihrer täglichen Arbeitszeit in der elektronischen Dokumentationsumgebung verbringen. Objektiv gemessen waren es 37 Prozent (Teufel et al., 2021). Wie auch immer man misst: Klinikärzt:innen machen täglich ein bis zwei Stunden Überstunden, fast ausschließlich für Dokumentation. Diese Zahlen stammen aus dem stationären Bereich. Aber auch niedergelassene Psychotherapeut:innen berichten von erheblichem Dokumentationsaufwand. Verlaufsdokumentation, Therapieberichte für Kostenträger, Antragsberichte an Gutachter, PTV-Formulare und Behandlungspläne kosten viel Zeit. Moderne Spracherkennung in der Therapie und KI-gestützte Textverarbeitung versprechen, diesen Aufwand deutlich zu senken. Wer Künstliche Intelligenz bei hochsensiblen Gesundheitsdaten einsetzt, braucht allerdings ein DSGVO-konformes Vorgehen und eine sorgfältige Planung.

Mit den folgenden sieben evidenzbasierten Strategien können Sie automatische Therapiedokumentation in Ihrer Praxis sicher, datenschutzkonform und qualitätsgesichert einsetzen. Sie reichen von der DSGVO-konformen KI in der Psychotherapie über die Qualitätssicherung bis zur Wirtschaftlichkeitsanalyse.

Was ist KI-gestützte Therapiedokumentation?

Gemeint ist, dass Künstliche Intelligenz die Inhalte therapeutischer Sitzungen automatisiert erfasst, strukturiert und aufbereitet. Das reicht von der Spracherkennung in der Therapie über die automatische Sitzungszusammenfassung bis dahin, einen Therapiebericht per KI schreiben zu lassen. Typischerweise läuft das in drei Schritten ab. Zuerst zeichnet eine Spracherkennungssoftware das Therapiegespräch auf und wandelt es in Text um. Dann analysiert ein KI-Modell das Transkript und zieht die klinisch relevanten Informationen heraus. Am Ende erzeugt das System strukturierte Dokumentationsbausteine, etwa Sitzungszusammenfassungen, Verlaufsnotizen oder Berichtsvorlagen.

Technisch stecken zwei Kernkomponenten dahinter: automatische Spracherkennung (ASR) und natürliche Sprachverarbeitung (NLP). Aktuelle ASR-Systeme kommen in kontrollierten Szenarien auf Wortfehlerraten unter neun Prozent. Sprechen aber mehrere Personen im Gespräch miteinander, wie es in der Therapie typisch ist, kann die Genauigkeit erheblich schwanken (Ng et al., 2025). Die NLP-Komponente verarbeitet dann den transkribierten Text und erkennt darin diagnostisch relevante Muster, Interventionen und Therapiefortschritte.

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen spezialisierte Anbieter für psychotherapeutische Dokumentation. Verschiedene Lösungen werben mit BSI-C5-Zertifizierung und Zero-Storage-Architektur. Ein Schweizer Anbieter hält Daten ausschließlich in der Schweiz, bedient von dort den deutschsprachigen Raum und wird von über 150 Fachpersonen genutzt. Clara Health verfolgt mit Clara einen anderen Ansatz: Patientendaten werden ausschließlich lokal auf Ihrem Gerät dauerhaft gespeichert, eine Patientenakte in der Cloud gibt es nicht. Ausgewählte Inhalte werden nur für die Dauer der Verarbeitung auf C5-zertifizierter Infrastruktur in der EU verarbeitet.

In der psychotherapeutischen Praxis geht es vor allem um diese Dokumente: Verlaufsberichte an Kostenträger, Antragsberichte an Gutachter im Rahmen des Gutachterverfahrens, PTV-Formulare (PTV 1-12), diagnostische Befundberichte und die laufende Sitzungsdokumentation. Unterstützen können KI-Dokumentationswerkzeuge vor allem bei der Sitzungszusammenfassung und bei Verlaufsberichten. Vorsichtig sollten Sie bei Antragsberichten an Gutachter und diagnostischen Befundberichten sein. Sie verlangen eine differenzierte klinische Urteilsbildung, und die kann KI nicht leisten.

Gut zu wissen
KI-Dokumentation ersetzt nicht Ihre therapeutische Urteilskraft. Sie bringt Inhalte zu Papier und in eine Struktur, die inhaltliche Verantwortung bleibt aber bei Ihnen als Behandler:in. Nach Art. 22 DSGVO dürfen Entscheidungen, die Patient:innen erheblich beeinträchtigen, nicht ausschließlich auf automatisierter Verarbeitung beruhen (DSGVO Art. 22).

Strategie 1: DSGVO-konforme Werkzeugauswahl

DSGVO-konforme KI in der Psychotherapie fängt bei der Wahl des Werkzeugs an. Als Psychotherapeut:in unterliegen Sie der Schweigepflicht nach § 203 StGB. Jede Weitergabe von Patientendaten an Dritte muss mit dieser Grundpflicht vereinbar sein, auch die an KI-Anbieter. Gesundheitsdaten zählen außerdem nach Art. 9 DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten. Ihre Verarbeitung ist grundsätzlich untersagt, es sei denn, eine der Ausnahmen nach Art. 9 Abs. 2 DSGVO greift. Für die therapeutische Dokumentation kommen vor allem Art. 9 Abs. 2 lit. h (Gesundheitsversorgung) und Art. 9 Abs. 2 lit. a (ausdrückliche Einwilligung) in Frage.

Laut Branchenberichten wird die BSI-C5-Zertifizierung (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue) seit dem 1. Juli 2025 in vielen Konstellationen von Cloud-Anbietern im deutschen Gesundheitswesen verlangt (vgl. § 393 SGB V, DiGAV). C5 umfasst 17 Kontrollbereiche mit 121 Anforderungen. Gültig ist dabei ausschließlich die Typ-2-Attestierung. Sie belegt, dass die Sicherheitsmaßnahmen über einen längeren Zeitraum wirksam sind. Dass sie an einem bestimmten Stichtag vorhanden waren, reicht dafür nicht (Kiteworks, 2025).

Nutzen Sie KI als Cloud-Dienst, ist das eine Auftragsverarbeitung. Dafür brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO. Cloud-Dienstleister dürfen Gesundheitsdaten nur verarbeiten, wenn ein AVV vorliegt und der Anbieter geeignete technische und organisatorische Schutzmaßnahmen nachweist, etwa durch Zertifikate wie ISO 27001 oder BSI C5 (SRD Rechtsanwälte).

Wichtiger Hinweis
Klären Sie vor dem Einsatz jedes KI-Werkzeugs: Gibt es eine gültige BSI-C5-Typ-2-Attestierung? Werden die Daten ausschließlich auf Servern in der EU verarbeitet? Liegt ein AVV gemäß Art. 28 DSGVO vor? Fließen Patientendaten in das Training von KI-Modellen? Bei generischen KI-Angeboten wie ChatGPT ist die Datenverarbeitung häufig intransparent, und Daten können in die USA gelangen (Psylife, 2025).

Strategie 2: Informierte Patienteneinwilligung gestalten

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist hier eindeutig: Patient:innen müssen erfahren, dass KI eingesetzt wird. Eine mündliche Erklärung reicht, wenn sie in der Praxisverwaltung dokumentiert wird. Wird KI für die Dokumentation genutzt oder handelt es sich um ein Hochrisikosystem, ist eine ausdrückliche Einwilligung erforderlich (KBV).

In eine wirksame Einwilligung für KI-gestützte Therapiedokumentation gehört, wozu die KI-Dokumentation dient und wie sie funktioniert, welche Daten erfasst, verarbeitet und gespeichert werden und welche KI-Werkzeuge zum Einsatz kommen. Außerdem sollte sie festhalten, dass die Teilnahme freiwillig ist, dass die Einwilligung jederzeit widerrufen werden kann, ohne dass die Behandlung darunter leidet, und dass Patient:innen ein Recht auf eine ausschließlich manuell erstellte Dokumentation haben.

Bei Gesundheitsdaten verlangt eine Einwilligung nach Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO erhöhte Bestimmtheit und Präzision. Ein pauschales "Ich stimme der Nutzung von KI zu" genügt nicht. Die Einwilligung muss konkret benennen, welche KI-Systeme für welche Dokumentationszwecke eingesetzt werden.

Eine Studie am Universitätsklinikum RWTH Aachen hat untersucht, wie Patient:innen KI im Gesundheitswesen gegenüberstehen. Grundsätzlich sind sie offen, werden aber zurückhaltender, sobald KI ihre eigene Behandlung betrifft. Ältere Patient:innen, Frauen und Menschen mit geringerer Bildung waren vorsichtiger (Fritsch et al., 2022). Trotzdem stimmten in einem Schweizer psychiatrischen Zentrum, das eine spezialisierte Dokumentationslösung einsetzt, 97 Prozent der Patient:innen zu. Das belegt, dass transparente Kommunikation und eine sorgfältige Einführung die Akzeptanz erheblich fördern können.

Praxis-Tipp
Sprechen Sie die Einwilligung früh an, am besten schon im Erstgespräch. Erklären Sie, was es konkret bringt: Berichte sind schneller fertig, Sie haben mehr Zeit für die therapeutische Arbeit, und die Dokumentation wird besser. Sagen Sie auch klar, dass Sie als Therapeut:in alle KI-generierten Inhalte prüfen und freigeben.

Strategie 3: Qualitätssicherung KI-generierter Berichte

Ein Therapiebericht, den Sie per KI schreiben lassen, ist nicht fehlerfrei. Laut Forschung sind KI-Zusammenfassungen in etwa 80 Prozent der Fälle korrekt. Umgekehrt heißt das: In rund 20 Prozent der Fälle können Fehler auftreten. Dazu gehören Halluzinationen (die KI erzeugt Informationen, die im Quellmaterial gar nicht vorkommen) und Auslassungen (PMC, 2023). Auch Kontextfehler sind möglich. Dann ordnet das System etwa Erkrankungen von Familienangehörigen fälschlich der Patientin oder dem Patienten zu (PMC, 2023).

Um die Qualität systematisch zu bewerten, gibt es mit dem PDQI-9 (Physician Documentation Quality Instrument) ein validiertes Rahmenwerk. Es misst unter anderem Genauigkeit, Vollständigkeit und wahrgenommene Verzerrung. Die Ergebnisse können helfen, KI-generierte klinische Dokumentation Schritt für Schritt zu verbessern (Frontiers in AI, 2025).

Als Vorbild kann Kaiser Permanente dienen. Dort gibt es ein formalisiertes Qualitätssicherungsprogramm für KI-Dokumentation. Ein Evaluationsteam bewertet Risikoniveaus mit quantitativen und qualitativen Methoden und gibt dem Anbieter Rückmeldung. Eingeführt wird in Phasen, danach wird kontinuierlich überwacht (Permanente Medicine).

Für Ihre eigene Praxis empfiehlt sich ein pragmatischeres Vorgehen. Prüfen Sie jede KI-generierte Dokumentation, bevor Sie sie freigeben. Schauen Sie besonders darauf, ob Symptome und Diagnosen richtig zugeordnet sind, ob Interventionen und Therapieziele vollständig dokumentiert sind und ob die Sprache zum klinischen Kontext passt. Fehler, die immer wieder auftreten, sollten Sie notieren und dem Anbieter melden.

Strategie 4: Integration in den Praxisalltag

Damit die Einführung von KI-Dokumentation in der Psychotherapie gelingt, brauchen Sie einen klar strukturierten Ablauf, der Ihre therapeutische Präsenz nicht stört. Die Forschung deutet darauf hin, dass Technik sorgfältig in die therapeutische Arbeit eingebunden werden muss, wenn die therapeutische Beziehung geschützt bleiben soll.

Ein erprobter Ablauf für die automatische Therapiedokumentation sieht so aus:

  1. Vor der Sitzung: Einwilligung der Patient:innen einholen und dokumentieren, Aufnahmegerät oder Software vorbereiten.
  2. Während der Sitzung: Aufnahme starten. Im Vordergrund steht die therapeutische Arbeit, die Technik läuft im Hintergrund mit.
  3. Nach der Sitzung: KI-generierte Zusammenfassung und Dokumentationsbausteine prüfen.
  4. Qualitätskontrolle: Inhalte korrigieren und ergänzen. Keine KI-generierte Dokumentation ohne Ihre therapeutische Freigabe.
  5. Archivierung: Freigegebene Dokumentation im Praxisverwaltungssystem ablegen.
  6. Datenlöschung: Audio- und Sitzungsdaten so löschen, wie es vereinbart ist.

Die BPtK betont: Entscheidungen treffen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen im Dialog mit ihren Patient:innen, die Technik trifft sie nicht. KI-Anwendungen können bei Befundung, Behandlungsauswahl oder Dokumentation unterstützen. Die fachliche Verantwortung bleibt bei den Behandelnden (BPtK; KBV).

Praxis-Tipp
Rechnen Sie in der Einarbeitungsphase mit zehn bis 15 Minuten zusätzlich nach jeder Sitzung. Mit wachsender Routine braucht die Prüfung erfahrungsgemäß deutlich weniger Zeit. Clara arbeitet eigenständig neben Ihrem PVS. Inhalte übernehmen Sie per Copy & Paste, als Word-Dokument oder als PDF in Ihre bestehenden Arbeitsabläufe.

Strategie 5: Datensicherheit und Architektur

Wenn hochsensible Therapiedaten verarbeitet werden, hängt viel von der technischen Architektur des KI-Systems ab. Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze: lokale und Cloud-basierte Verarbeitung.

Bei lokaler Verarbeitung verlassen Audiodaten und Transkripte das Endgerät nicht. Die KI-Modelle laufen direkt auf Ihrem Rechner oder Mobilgerät. Weil nichts an externe Server übertragen wird, ist das Datenschutzniveau hier am höchsten.

Bei Cloud-basierter Verarbeitung gehen die Daten an Server, auf denen leistungsfähigere KI-Modelle laufen. Dann ist die BSI-C5-Typ-2-Attestierung Pflicht. Verschiedene Anbieter arbeiten mit einer Zero-Storage-Architektur: Alle Sitzungsdaten werden bis Mitternacht des Tages, an dem sie entstanden sind, unwiderruflich gelöscht. Verarbeitet wird dort ausschließlich auf C5-zertifizierten Servern in der EU.

Egal, für welchen Ansatz Sie sich entscheiden, diese Sicherheitsanforderungen gelten in jedem Fall: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei der Datenübertragung und Verschlüsselung ruhender Daten, Zugriffskontrollen und Authentifizierungsmechanismen, die Protokollierung aller Zugriffe und Verarbeitungsvorgänge und ein Verbot, Patientendaten ohne spezifische Einwilligung für das Training von KI-Modellen zu nutzen (SRD Rechtsanwälte).

Wichtiger Hinweis
Ohne spezifische Einwilligung dürfen Gesundheitsdaten nicht für das Training von KI-Systemen verwendet werden (SRD Rechtsanwälte). Professionelle Anbieter von Medizinprodukten schließen im AVV vertraglich aus, dass sie Ihre Daten zum Training ihrer Basismodelle nutzen. Bei kostenlosen 'Consumer-KI'-Angeboten ist genau das oft das Geschäftsmodell. Sehen Sie deshalb in der Datenschutzerklärung und im AVV Ihres Anbieters nach, ob es entsprechende Klauseln gibt. Bei kostenlosen KI-Angeboten ist besondere Vorsicht angebracht, weil die Datenverarbeitung dort häufig intransparent ist.

Strategie 6: Umgang mit KI-Grenzen und Fehlern

Wer KI-Dokumentation in der Psychotherapie sicher einsetzen will, muss realistisch einschätzen, was sie kann und was nicht. Gerade die Spracherkennung in der Therapie hat ihre eigenen Schwierigkeiten. Laut der systematischen Übersichtsarbeit von Ng et al. (2025) liegen die Wortfehlerraten in kontrollierten Diktierszenarien bei 8,7 Prozent. In freien Gesprächssituationen können sie auf über 50 Prozent steigen. Die F1-Werte reichen von 0,416 bis 0,856. Schwierig wird es bei Akzenten, spezialisierter Fachterminologie und Situationen mit mehreren Sprecher:innen.

Über die Jahre ist die Technik stetig besser geworden. Ältere Studien kamen auf Genauigkeitsraten von 88,90 bis 96,00 Prozent, bei einer jährlichen Verbesserung von etwa 0,03 Prozent (Blackley et al., 2019). Moderne spezialisierte Systeme erreichen bei guter Audioqualität 98 bis 99 Prozent. Risiken bleiben trotzdem, vor allem bei spezialisierter Terminologie (Hodgson & Coiera, 2016).

Ein besonderes Risiko sind KI-Halluzinationen, also Informationen, die in den Quelldaten gar nicht vorkommen. Sie entstehen aus der Natur der Trainingsdaten, aus der musterbasierten Art, wie die Systeme Inhalte erzeugen, und aus inhärenten Grenzen der KI-Systeme (MIT Sloan). Retrieval-Augmented Generation (RAG) kann Halluzinationen seltener machen. Dabei greift das KI-Modell auf eine kuratierte Wissensbasis zu.

Im Praxisalltag heißt das: Behandeln Sie jede KI-generierte Dokumentation als Entwurf, nie als fertiges Dokument. Lernen Sie gemeinsam mit Ihrem Praxisteam, typische KI-Fehler zu erkennen. Legen Sie fest, wie bei schwerwiegenden Fehlern eskaliert wird, und halten Sie gefundene Ungenauigkeiten fest, damit sich die Qualität laufend verbessert.

Strategie 7: Wirtschaftlichkeit und Praxisnutzen

Die ökonomische Bewertung deutet auf ein erhebliches Einsparpotenzial hin. Laut einer Medscape-Erhebung verbringen Klinikärzt:innen in Deutschland bis zu drei Viertel ihres Arbeitstages mit administrativen Aufgaben (Medscape, 2024). Anbieter geben an, dass KI-Dokumentationslösungen den Dokumentationsanteil an der Arbeitszeit von 40 auf 15 Prozent senken und so täglich zwei bis drei Stunden freimachen können. Daten von Epic deuten auf eine um 15,5 Prozent kürzere Dokumentationszeit pro Behandlungskontakt hin. Diese Zahlen stammen allerdings aus US-amerikanischen Krankenhäusern. Auf die ambulante psychotherapeutische Praxis lassen sie sich nicht ohne Weiteres übertragen.

Aus dem stationären Bereich berichtet ein Schweizer psychiatrisches Zentrum laut Anbieterangaben von über 50 Prozent weniger Dokumentationszeit und zugleich hoher Zufriedenheit der Behandelnden. Verschiedene Anbieter beziffern die mögliche Zeitersparnis bei Dokumentationsaufgaben nach eigenen Angaben auf bis zu 80 Prozent.

Für Ihre eigene Praxis können Sie die Wirtschaftlichkeit anhand dieser Kennzahlen abschätzen:

  • Aktueller Zeitaufwand: Wie viele Stunden pro Woche verbringen Sie mit Dokumentation?
  • Kosten der KI-Lösung: die monatlichen oder jährlichen Lizenzkosten des Anbieters, für den Sie sich entscheiden.
  • Zeitersparnis: konservativ gerechnet 30 bis 50 Prozent weniger Dokumentationszeit.
  • Zusätzliche Kapazität: Die gewonnene Zeit können Sie für weitere Behandlungsstunden, für Supervision oder für Ihre Work-Life-Balance nutzen.
  • Amortisationszeitraum: Laut Anbieterangaben kann er je nach Praxissetting und Dokumentationsvolumen unter drei Monaten liegen. Wann sich die Lösung tatsächlich amortisiert, hängt von Praxisform, Dokumentationsumfang, Korrekturaufwand und Audioqualität ab.

Bharadwaj et al. (2024) haben die Einführung von KI in der Radiologie untersucht und über fünf Jahre einen ROI von 451 Prozent ermittelt. Rechnet man die eingesparte Arztzeit mit ein, stieg er auf 791 Prozent. Das ist zwar ein anderer Fachbereich. Die Zahlen zeigen aber, wie groß das Potenzial von KI-gestützter Dokumentation für mehr Effizienz im Gesundheitswesen ist.

Gut zu wissen
Zur direkten Zeitersparnis kommen indirekte Effekte, die in die Wirtschaftlichkeitsberechnung gehören: weniger Überstunden, eine geringere Burnout-Gefahr, bessere Dokumentationsqualität und zufriedenere Patient:innen, weil mehr Zeit für die Behandlung bleibt. Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten der KI-gestützten Dokumentation.

Fazit

KI-gestützte Dokumentation in der Psychotherapie ist schon heute praxistauglich, wenn Sie sie mit der gebotenen Sorgfalt einsetzen. Die sieben Strategien geben Ihnen dafür einen strukturierten Rahmen, damit die Einführung sicher und wirksam gelingt:

  1. DSGVO-konforme Werkzeugauswahl: BSI-C5-Typ-2-Zertifizierung, Server in der EU und ein AVV als Mindestanforderungen.
  2. Informierte Patienteneinwilligung: offen erklären, wozu die KI dient, wie sie arbeitet und welche Rechte Patient:innen haben.
  3. Qualitätssicherung: Jede KI-generierte Dokumentation wird vor der Freigabe geprüft.
  4. Integration in den Praxisalltag: ein klar strukturierter Ablauf, der Ihre therapeutische Präsenz schützt.
  5. Datensicherheit und Architektur: lokale oder C5-zertifizierte Cloud-Verarbeitung mit Zero-Storage-Architektur.
  6. Umgang mit KI-Grenzen: realistische Erwartungen an die Genauigkeit und ein geregelter Umgang mit Fehlern.
  7. Wirtschaftlichkeit: messbare Zeitersparnis bei kurzen Amortisationszeiträumen.

Von der DSGVO über die BSI-C5-Zertifizierung bis zu den KBV-Leitlinien geben die regulatorischen Rahmenbedingungen klare Anforderungen vor, an denen Sie sich als Therapeut:in orientieren können. NLP-Anwendungen in der klinischen Praxis erreichen inzwischen durchschnittliche F1-Werte und AUC-Werte über 85 Prozent (Crema et al., 2022). Und bei sorgfältiger Einführung kann die Akzeptanz bei Patient:innen 97 Prozent erreichen.

Ein Grundsatz gilt dabei immer: Die KI unterstützt, die Entscheidung treffen Sie. Wenn Sie diese Aufgabenteilung konsequent einhalten, entlastet Sie die automatische Therapiedokumentation erheblich. So bleibt mehr Raum für das, was Ihre Arbeit ausmacht, die therapeutische Beziehung.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine datenschutzrechtliche, medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Haben Sie konkrete Fragen zur Einführung von KI-Dokumentation in Ihrer Praxis, wenden Sie sich an Ihre zuständige Datenschutzbehörde oder Psychotherapeutenkammer oder kontaktieren Sie uns direkt.

Bleiben Sie informiert

Erhalten Sie neue Fachartikel zu KI, Dokumentation und Praxismanagement direkt in Ihr Postfach -- kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Quellen

  1. 1.Bharadwaj, P., Nicola, L., Breau-Brunel, M., Sensini, F., Tanova-Yotova, N., Atanasov, P., Lobig, F. & Blankenburg, M. (2024). Unlocking the Value: Quantifying the Return on Investment of Hospital Artificial Intelligence. J Am Coll Radiol, 21(10), 1677-1685. https://doi.org/10.1016/j.jacr.2024.02.034
  2. 2.Blackley, S. V., Huynh, J., Wang, L., Korach, Z. & Zhou, L. (2019). Speech recognition for clinical documentation from 1990 to 2018: a systematic review. J Am Med Inform Assoc, 26(4), 324-338. https://doi.org/10.1093/jamia/ocy179
  3. 3.BPtK (2024). Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Psychotherapie. Abgerufen von https://www.bptk.de/newsletter/2-2024/digitalisierung-und-kuenstliche-intelligenz-in-der-psychotherapie/
  4. 4.Crema, C., Attardi, G., Sartiano, D. & Redolfi, A. (2022). Natural language processing in clinical neuroscience and psychiatry: A review. Frontiers in Psychiatry. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2022.946387
  5. 5.Datenschutz-Praxis. KI bei Auftragsverarbeitern. Abgerufen von https://www.datenschutz-praxis.de/verarbeitungstaetigkeiten/ki-bei-auftragsverarbeitern/
  6. 6.DeepCura. Enhancing AI-Generated Clinical Notes Accuracy: Key Factors and Best Practices. Abgerufen von https://www.deepcura.com/post/enhancing-ai-generated-clinical-notes-accuracy-key-factors-and-best-practices
  7. 7.DSGVO Art. 9 – Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten. Abgerufen von https://dejure.org/gesetze/DSGVO/9.html
  8. 8.DSGVO Art. 22 – Automatisierte Entscheidungen im Einzelfall einschließlich Profiling. Abgerufen von https://dejure.org/gesetze/DSGVO/22.html
  9. 9.Fritsch, S. J., Blankenheim, A., Wahl, A., Hetfeld, P., Maassen, O., Deffge, S., Kunze, J., Rossaint, R., Riedel, M., Marx, G. & Bickenbach, J. (2022). Attitudes and perception of artificial intelligence in healthcare: A cross-sectional survey among patients. Digital Health. https://doi.org/10.1177/20552076221116772
  10. 10.Frontiers in AI (2025). AI Clinical Notes Quality Assessment. Abgerufen von https://www.frontiersin.org/journals/artificial-intelligence/articles/10.3389/frai.2025.1691499/full
  11. 11.Hodgson, T. & Coiera, E. (2016). Risks and benefits of speech recognition for clinical documentation: a systematic review. J Am Med Inform Assoc, 23(e1), e169-79. https://doi.org/10.1093/jamia/ocv152
  12. 12.KBV. Künstliche Intelligenz – Praxiswissen. Abgerufen von https://www.kbv.de/documents/infothek/publikationen/praxiswissen/praxiswissen-ki.pdf
  13. 13.Kiteworks (2025). BSI C5: Germany's Cloud Security Framework Requirements. Abgerufen von https://www.kiteworks.com/regulatory-compliance/bsi-c5-germanys-cloud-security-framework-requirements/
  14. 14.Medscape (2024). German Doctors Spend Three Quarters of Each Day on Paperwork. Abgerufen von https://www.medscape.com/viewarticle/german-doctors-spend-three-quarters-each-day-paperwork-2024a1000isp
  15. 15.MIT Sloan EdTech. Addressing AI Hallucinations and Bias. Abgerufen von https://mitsloanedtech.mit.edu/ai/basics/addressing-ai-hallucinations-and-bias/
  16. 16.Ng, J. J. W., Wang, E., Zhou, X., Zhou, K. X., Goh, C. X. L., Sim, G. Z. N., Tan, H. K., Goh, S. S. N. & Ng, Q. X. (2025). Evaluating the performance of artificial intelligence-based speech recognition for clinical documentation: a systematic review. BMC Med Inform Decis Mak, 25(1), 236. https://doi.org/10.1186/s12911-025-03061-0
  17. 17.Permanente Medicine. Quality Assurance Informs Large-Scale Use of Ambient AI Clinical Documentation. Abgerufen von https://permanente.org/quality-assurance-informs-large-scale-use-of-ambient-ai-clinical-documentation/
  18. 18.PMC (2023). AI Documentation Risks: Hallucinations and Omissions. Abgerufen von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10552880/
  19. 19.PMC (2025). AI-Generated Documentation Requires Oversight. Abgerufen von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12460601/
  20. 20.Psylife (2025). Dokumentieren mit KI: Praktische Erfahrungen aus der Psychotherapie. Abgerufen von https://psylife.de/magazin/berufspraxis/dokumentieren-mit-ki-praktische-erfahrungen-aus-der-psychotherapie
  21. 21.SRD Rechtsanwälte. KI im Gesundheitswesen: Datenschutz bei Gesundheitsdaten. Abgerufen von https://www.srd-rechtsanwaelte.de/blog/ki-gesundheitsdaten-datenschutz
  22. 22.Teufel, A. et al. (2021). Evaluating Electronic Health Record Limitations and Time Expenditure in a German Medical Center. Applied Clinical Informatics. Abgerufen von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8695058/

Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine medizinische, therapeutische oder rechtliche Beratung dar. Clara Health übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Fachperson.

Clara 30 Tage kostenlos testen

Lernen Sie das vollständige Funktionsspektrum kennen. Ohne Kreditkarte und ohne automatische Umwandlung in ein kostenpflichtiges Abo.

Jetzt kostenlos starten

Verwandte Artikel